Tommy Jaud - Überman
1 Kommentar
Spätestens seit es bei meinem griechischen Finanzberater keine leckeren Kekse mehr gab zu den Besprechungen, hätte ich etwas ahnen müssen. Den letzten Keks gab es, als ich einen rumänischen Waldfonds erwarb und gehebelte Discountzertifikate auf Magerschwein – das ist so eine Art verschärfte Wette darauf, dass der Preis für Magerschwein stabil bleibt, und das ist gar nichts Besonderes, weil das gibt es auch für Rinder und Baumwolle und fettes Schwein. Immer wieder scherzten Kosmás Nikifóros Sarantakos und ich über all die Teilzeit-Apokalyptiker, die sich aus Angst vor der Eurokrise zitternd Goldmünzen unter die Salamischeiben ihrer Tiefkühlpizzas steckten.
Und dann kam der Tag, an dem mir Sarantakos in nahezu arglistiger Beiläufigkeit offenbarte, dass mein Plan nicht wirklich aufgegangen sei.
»Warum denn plötzlich ›mein Plan‹?‹, hörte ich mich noch fragen, aber erst in der Tiefgarage begriff ich, was die minus 211,2 Prozent in meinem Portfolio-Report wirklich bedeuteten: Privatinsolvenz, Gosse und Drogensucht mit nachfolgendem Ausfall der Schneidezähne. Nicht mal das Studium meiner Freundin würde ich noch finanzieren können. Der einzige Ausweg lag darin, mich ebenso schnell wie klammheimlich wieder aus dieser unsäglichen griechischen Scheiße zu ziehen – ich musste zum Überman werden!

 
 Durch die merkwürdigen Investitionen seines griechischen Finanzberaters kommt der frische gewordene Millionär Simon Peters wieder in die schwarzen Zahlen. Das Finanzamt hängt ihm bereits im Rücken und er traut sich nicht seiner Freundin Anabelle die Wahrheit zu sagen, denn sie ist überglücklich bald ein teures Weinstudium zu beginnen. Simon versucht alles um an Geld zu kommen, seine erste Idee: Jamie Oliver verklagen, denn wer schafft es schon eines seiner 30-Minuten Menüs in wirklich 30 Minuten zu kochen? Niemand behauptet Simon, da er allein schon für den Einkauf der Zutaten den ganzen Tag braucht. Als wäre seine Privatinsolvenz nicht schon das Schlimmste, verspielt er es sich mit allen Freunden, da er sich wie ein absolutes "Arschloch" verhält. Nachdem auch Anabelle ihn durch sein absurdes Verhalten verlässt, plant er die Rettung seiner Freunde vor dem Weltuntergang in einem Weinbunker. Aber da dafür nicht genug Zeit bleibt, muss er die Überman-Technik anwenden. Er schläft nicht mehr als 2 Stunden täglich, diese muss er jedoch auf 20 Minuten auf den ganzen Tag verteilen.

Ich habe mich wirklich sehr gefreut als das Hörbuch bei mir eintrudelte. Bei Hummeldumm habe ich Tränen gelacht und war absolut begeistert von dem Buch. So aufgeregter war ich als ich endlich Überman hören konnte, doch leider hat es mich bitter enttäuscht. Simon Peters stolpert von einer überdrehten Aktion in die nächste. Anfangs gestaltete sich das Hörbuch noch als vielversprechend, doch mit der Zeit wurde es immer absurder und wirrer. Die Messbarkeit der Angst aller Menschen vor dem Weltuntergang misst man an  der Anzahl der noch vorhanden Curry Kings im Kühlregal? Natürlich gab es auch einige Pointen die mich zum Lachen gebracht haben, aber leider fehlte mir der rote Faden. Tommy Jaud erzählt wirklich toll und gibt jeder Person eine einzigartige Stimme, wie zum Beispiel den kölschen Flick und den hyperaktiven Phil, welcher für die meisten lustigen Szenen verantwortlich war. Doch man braucht für das Buch einen richtigen Sinn für Humor. Ich empfand das Buch nicht mehr als Stresskiller wie bei den anderen Tommy Jaud Büchern, wo wirklich einige Spitzenwerke dabei waren. Simon scheint manchmal total auf Drogen zu sein und das verwirrte mich nur mehr. Es herrschte immer mehr ein riesiges Chaos in dem die Alltagskomik fehlte. Es hatte zwar wirklich toll begonnen, hat aber dann sehr stark nachgelassen.
Vom Ende bin ich auch mehr als enttäuscht, da es nur noch runter geschrieben wirkte, als wollte man das Buch schnell zu ende bringen. Denn das er dann tatsächlich Jamie Oliver verklagt hatte und so aus seinem Schuldenberg raus kam, war für mich Schluss. Neben Hummeldumm ist Überman ein absoluter Flop!

1 Kommentar:

  1. ich finde es toll wieviel mühe du dir immmer bei den rezesionen gibst! ich bin froh, dass ich das buch doch nicht zu Weihnachten verschenkt habe

    Bei mir läuft gerade ein kleines Gewinnspiel. Würde mich sehr freuen wenn du mitmachst!

    Mein Blog!

    AntwortenLöschen